Aktualisiert 25.10.2025
Ein wichtiger Aspekt der modernen Allergietherapie ist heute bei den häufig
vorkommenden Gräser-Allergien die erst kürzlich entwickelte sublinguale
Immuntherapie (SLIT)
Bei der
sublingualen
Immuntherapie
erfolgt die Behandlung mit Hilfe von Tabletten (Gräser-Impftabletten), die standardisierte
Allergene
jener
Gräserpollen enthalten, die in der Natur weit verbreitet
und daher die wichtigsten Ursachen der Gräserpollen-Allergien sind.
Seit Jahrzehnten werden Allergien –
besonders häufig sind
Gräser-
und
Baumpollen-Allergien – mit Hilfe
der subkutan (unter die Haut) anzuwendenden
spezifischen Immuntherapie
(SIT,
bzw.
SCIT)
behandelt.
Allergologen
haben herausgefunden, dass etwa 80% aller Allergien durch in die Atemwege
eingedrungene Gräser- und Baumpollen verursacht werden, die zur Entzündung
der empfindlichen Schleimhäute führen.
Eine
spezifische Immuntherapie
SIT ist bei
starken allergischen Beschwerden meist der einzige praktikable Behandlungsweg. Die
oft empfohlene
symptomatische Behandlung, z.B. mit Antihistaminika, ist
nur bei leichten Verlaufsformen einer Allergie ausreichend wirksam.
Außerdem
haben viele dieser Arzneimittel störende Nebenwirkungen wie Müdigkeit und
die Unfähigkeit Auto zu fahren. Die
Erfolge einer
spezifischen Immuntherapie wurden in den vergangenen
Jahrzehnten immer wieder mit Hilfe zahlreicher wissenschaftlicher Studien
eindeutig bewiesen.
Auch die
um Distanz zur Pharmaindustrie bemühte WHO
(Weltgesundheitsorganisation) beurteilt die spezifische Immuntherapie positiv,
da sie als einzige verfügbare
Behandlungsmöglichkeit direkt an den
immunologischen Ursachen
einer
Allergie ansetzt und den weiteren natürlichen
Verlauf der Krankheit positiv beeinflusst - also beispielsweise die
Entwicklung eines allergischen Asthmas verhindert.
Doch die
übliche
subkutan anzuwendende spezifische Immuntherapie (SCIT) hat leider auch einige
gravierende Nachteile (u.a. großer Zeitaufwand über eine Dauer von 3-5
Jahren), eine zu
geringe Zahl ärztlicher Allergie-Experten und schließlich das Risiko
bedrohlicher Therapie-Zwischenfälle (Anaphylaktischer Schock).
Aus diesen
Gründen kommt nur ein kleiner Teil der für
die Therapie in Frage kommenden Allergiker
(geschätzte 10%) tatsächlich in den Genuss dieser
grundsätzlich sinnvollen und in den meisten Fällen wirksamen Therapie.
Die Mehrzahl der Allergiker –
darunter viele Patienten, die sich einfach nur vor den Allergie-Spritzen fürchten, oder
die den erforderlichen Zeitaufwand scheuen – wurden bisher nur
symptomatisch behandelt
(beispielsweise mit den oft müde machenden Antihistaminika) und riskierten
so, dass es im weiteren Verlauf der Erkrankung im Zuge eines sog. „Etagenwechsels“aus dem eher lästigen
Heuschnupfen ein bedrohliches
allergisches Asthma entwickelt. Nach Expertenmeinung droht dies in bis zu 30% der Fälle.
Insbesondere
für die bisher nicht ausreichend
therapierten Patienten wurde die sog. "Grastablette" entwickelt, die
die Allergene der wichtigsten pollenproduzierenden Gräser als genormte
Extrakte enthält. Da
diese Medikamente geschluckt werden - also oral angewendet werden (sublinguale spezifische
Immuntherapie= SLIT) - kann die Therapie nach der Einstellung bei
dem jeweils
behandelnden Arzt von den Patienten in eigener Regie zu Hause durchgeführt werden.
Eine sublinguale spezifische Immuntherapie (SLIT) hat sich in ersten
Studien als wirksam,
gut verträglich und sicher erwiesen. Dies gilt für
sowohl für die Anwendung bei Erwachsenen und Heranwachsenden, als auch bei Kindern.
Doch die erhoffte Zeitersparnis stellt sich nicht ein. Studien haben
gezeigt, dass auch eine SLIT über 5 Jahre durchgeführt werden sollte.
Diese "Allergie-Tabletten" werden mittlerweile von
mehreren Pharmaunternehmen angeboten, bzw. entwickelt.
Besonders
kleine Kinder und ängstliche erwachsene Patienten ziehen diese Tabletten den bisher üblichen „Allergie-Spritzen“ vor.
Experten rechnen damit, dass es schon bald
auch für andere Allergien oral anzuwendende Medikamente geben wird.
Diese innovativen Medikamente werden dann die von vielen Allergikern als
sehr lästig empfundenen
Allergie-Spritzen
- zumindest teilweise - ersetzen. Die derzeit vorliegenden Erkenntnisse zur Wirkung der
spezifischen
Immuntherapie stammen in erster Linie aus wissenschaftlichen Studien,
die von forschenden Pharmaunternehmen, also den Produzenten der Medikamente,
durchgeführt wurden.
Diese
forschenden Firmen haben sich auf die Behandlung von Allergien spezialisiert
und konnten so im Lauf von Jahrzenten ein hohes Maß an Fachkompetenz
ansammeln. Da bisher keine wissenschaftlichen Studien vorliegen, die die
Wirkung unterschiedlicher oral anzuwendender Produkte miteinander
vergleichen, kann die Frage der "optimalen Allergietherapie" derzeit nicht
aufgrund wissenschaftlicher Beweise bzw. harter Fakten beantwortet werden.
Es ist aber
aufgrund allgemeiner Lebenserfahrunge wahrscheinlich, dass alle Medikamente,
die Allergene in ausreichender und genormter Menge enthalten, für eine
effiziente orale Allergiebehandlung
geeignet sind.
Der Erfolg steht und fällt natürlich mit der Qualität der
Allergen-Extrakte. Der Patient selbst und auch sein behandelnder Arzt
hat keine praktikable Möglichkeit, diese Qualität zu überprüfen. Sie sind darauf
angewiesen, den spezialisierten Pharmaunternehmen zu vertrauen - also quasi
die Katze im Sack zu kaufen. Die Wirkung der Therapie zeigt sich nämlich
frühestens einige Jahre nach Therapiebeginn.
Dr. med.
Jochen Kubitschek
- aktualisiert 25.10.2025
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