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Durchbruch
in der Allergie-Behandlung
Neue
Möglichkeiten der spezifischen Immuntherapie
Anlässlich
der 20. Fortbildungswoche für praktische Dermatologie und Venerologie
vom 23. bis 28. Juli 2006 in München wurden neue Entwicklungen
der kausalen Allergiebehandlung vorgestellt. Die spezifische
Immuntherapie (SIT) ist die derzeit einzige kausale Behandlung
von Allergien. Sie wird eingesetzt bei der Behandlung von Insektengift-Allergien
und allergischen Atemwegserkrankungen wie allergischer Rhinitis
oder dem allergischen Asthma bronchiale. Bei Neurodermitis wurde
die SIT bisher kontrovers diskutiert.
Spezifische
Immuntherapie bessert Neurodermitis
Die
Neurodermitis, auch atopische Dermatitis genannt, ist eine der
häufigsten entzündlichen Hauterkrankungen. Die meisten Patienten
zeigen Sensibilisierungen vom IgE-Typ gegenüber Nahrungsmittel-
und inhalativen Allergenen. Bislang galt die Lehrbuchmeinung,
dass eine SIT zu einer Verschlechterung von Neurodermitis-Symptomen
führe. „Diese Bedenken müssen revidiert werden“,
so Professor Alexander
Kapp, Direktor der Klinik und Poliklinik für Dermatologie und
Venerologie der Medizinischen Hochschule Hannover.
In
einer von Kapp geleiteten multizentrischen
Doppelblind-Studie wurden 79 Patienten, die unter mittelschwerer
bis schwerer Neurodermitis litten und gleichzeitig gegen Hausstaubmilben
sensibilisiert waren, in drei Gruppen eingeteilt. Eine Gruppe
erhielt ein Aktiv-Placebo mit 20 Einheiten eines hoch gereinigten
Milbenextraktes (ALK-depot SQ), die beiden anderen Gruppen in
aufsteigender Dosis schließlich 2.000 bzw. 20.000 Einheiten
dieses Extraktes. Die Applikation erfolgte wöchentlich subkutan.
Viel
versprechende Ergebnisse
In
den beiden Hochdosis-Gruppen sprachen 66,7 bzw. 84,6 Prozent
auf die Behandlung an, in der Placebogruppe 41,2 Prozent. Bis
zum Ende des einjährigen Studienzeitraumes besserte sich der
Hautzustand der Betroffenen deutlich. Der SCORAD-Score, der
Ausmaß und Schwere der atopischen Dermatitis beschreibt, verringerte
sich unter Gabe von ALK-depot SQ in den beiden Hochdosis-Gruppen
gegenüber dem Ausgangswert im Mittel signifikant um 15,3 bzw.
25,9 Punkte, in der Placebogruppe dagegen nur um 8,4 Punkte.
Gleichzeitig reduzierte sich der Verbrauch von Kortison-Cremes
und Antihistaminika in den Hochdosis-Gruppen ebenfalls signifikant.
„Unsere Ergebnisse zeigen, dass eine spezifische Immuntherapie
für Patienten mit Neurodermitis keineswegs Nachteile, sondern
wesentliche therapeutische Vorteile bietet. Das eröffnet eine
ganz neue Behandlungsoption für dieses Krankheitsbild“,
äußerte sich Kapp optimistisch.
Fortschritte
in der Behandlung von Graspollen-Allergikern
„Auch
für Menschen mit einer Allergie auf Gräserpollen haben sich
in der letzten Zeit neue und verbesserte Behandlungsmöglichkeiten
ergeben“, sagte Professor Claus Bachert, Leiter der HNO-Universitätsklinik
Gent in Belgien, auf der Fortbildungswoche
in München.
In
den westlichen Industrienationen leidet bereits jeder Vierte
an einer Atemwegsallergie. Gräserpollen gehören zu den wichtigsten
Auslösern. Voraussichtlich
wird zum Ende dieses Jahres auch in Deutschland eine Kausaltherapie
für die breite Anwendung zur Verfügung stehen. „Wir erwarten,
dass 70 Prozent der Graspollen-Allergiker von der Tabletten-Immuntherapie
profitieren können“, sagte Peter Fischer, Projektleiter
bei ALK-SCHERAX.
Die
Studien zur
neuen Grastablette
(GRAZAXÒ)
von ALK-SCHERAX waren Teil des größten klinischen Prüfprogramms,
das je zu einer spezifischen
Immuntherapie durchgeführt worden ist. Bisher haben bereits
über 2000 Patienten an diesem Prüfprogramm teilgenommen.
Eine
dieser Studien, die GT-07-Studie, konnte
die gute Wirksamkeit und Verträglichkeit von GRAZAXÒbei
einmal täglicher Gabe eindrucksvoll nachweisen.
Patienten, die
unter leichtem bis mittelschwerem Asthma und mittelschwerer
bis schwerer Rhinokonjunktivitis litten, zeigten deutliche Verbesserungen
ihrer Symptome gegenüber der Placebogruppe. Laut Studie reduzierten
sich im Mittel die Symptome der allergischen Rhinitis um
37 Prozent, der Bedarf an symptomatisch wirkenden Medikamenten
verringerte sich um 41
Prozent, jeweils im Vergleich zu Placebo.
Die Einnahme der Grastablette führte im Vergleich zu Placebo
zu einer signifikanten Zunahme beschwerdefreier Tage um 54 Prozent.
Für die Betroffenen wird somit bereits die erste Pollensaison
nach Behandlungsbeginn halbiert.
Einfach
in der Anwendung, gut in der Verträglichkeit
„Es
hat sich gezeigt, dass die Tabletten-Immuntherapie eine neuartige,
effiziente Behandlung darstellt, die einfach anwendbar und sehr
gut verträglich ist. Das stellt eine deutliche Verbesserung
in der Behandlung dar“, so
Bachert. Als kausale Basistherapie habe sie das Potenzial,
eine protektive Immunantwort zu induzieren und langfristig zur
Toleranz des Immunsystems gegen die entsprechenden Allergene
zu führen. Lediglich die erste Tablette wird unter ärztlicher
Aufsicht eingenommen, häufige Arztbesuche entfallen. Bachert:
„Damit können bald mehr Graspollen-Allergiker von
einer effektiven Besserung der allergischen Symptome
und einem entsprechend geringeren Bedarf an symptomatischen
Medikamenten profitieren.“
Voraussichtlich
ab Jahresende 2006 wird diese neue Form der kausalen Allergie-Therapie
in Deutschland zur Verfügung stehen.
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