PENICILLINALLERGIE

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Bildnachweis: Fotolia,   aktualisiert am: 21.07.17, Uhrzeit: 04.30


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Penicillin-Allergie - oft ist die folgenreiche Diagnose falsch

Viele Menschen - so auch Ärzte und Medienmitarbeiter - glauben, dass Penicillin-Allergien sehr weit verbreitet sind. Allgemein wird davon ausgegangen, dass 10% aller Krankenhaus-Patienten unter einer Penicillin-Allergie leiden. Doch wissenschaftliche Untersuchungen zeichnen ein anderes Bild. Danach sind Penicillin-Allergien eher selten und betreffen nur 10% der Patienten, die davon überzeugt sind, dass sie eine Penicillin-Allergie haben.

Wie kommt es zu den gravierenden Differenzen?  Die Erklärung ist relativ einfach.  Die Diagnose wird oft in früher Kindheit gestellt und wird dann ohne eine Untersuchung ein Leben lang unüberprüft einfach fortgeschrieben.  Doch viele Kinder hatten niemals eine solche Allergie.  Oft wird Penicillin bei einer Virusinfektion verordnet, bei der ein Antibiotikum überhaupt nicht indiziert ist. Diese weit verbreiteten Viruserkrankungen erzeugen oft Hauterscheinungen, die jenen zum Verwechseln ähneln, die bei einer Penicillin-Allergie beobachtet werden.

Die Hauterscheinungen sehen aus wir eine allergische Hautreaktion, müssten aber von einem guten Diagnostiker eigentlich auf eine andere Erkrankung zurück geführt werden.  Doch die Diagnose Penicillin-Allergie iwird schnell und ohne Aufwand in Sekunden gestellt und befriedigt offenbar sowohl die besorgten Eltern, als auch die unter Zeitmangel leidenden Ärzte.

Doch auch tatsächliche Penicillin-Allergien spielen im späteren Leben oft nicht zwangsläufig eine dramatische Rolle, da sich die Menge der  gegen das Penicillin gerichteten IgE-Antikörper nach und nach vermindert.  Die Antikörper und die Allergie können so im Lauf der Zeit ganz verschwinden.

Wenig gebräuchlich ist die mögliche, aber aufwändige Durchführung aussagekräftiger Tests.  Die meisten Allergologen und Immunologen können bei angeblichen Penicillin-Allergikern Hauttests,  bzw. Penicillin-Provokationstests durchführen, um zu einer wissenschaftlich korrekten Diagnose zu gelangen.

In besonderen Fällen kann in speziellen Kliniken auch eine Penicillin-Hyposensibilisierung durchgeführt werden. Dieses aufwändige und mit ernsten Risiken behaftete Verfahren  sollte aber Patienten vorbehalten bleiben, bei denen ein Hauttest eine Penicillin-Allergie bewiesen hat oder bei denen eine IgE vermittelte Penicillin-Allergie besteht.  Diese Diagnostig bietet sich bei Patienten an, die dringend auf die Gabe von Penicillin angewiesen sind.

Negative Hauttests und oral durchgeführte Provokationstests können jene angeblichen Penicillin-Allergiker identifizieren, denen Penicillin risikoarm verabreicht werden kann, ohne dass eine lebensbedrohliche Anaphylaxie befürchtet werden muß.

 

Doch im späteren Leben hat diese Fehldiagnose gravierende Folgen. Kommt es zu einer bakteriellen Infektion - bei der Penicillin tatsächlich schnell und zuverlässig helfen würde - wird ohne viel Nachdenken ein anderes Antibiotikum verordnet, das schlechter wirkt, oft wesentlich teurer ist, schwerwiegende Nebenwirkungen hat und darüber hinaus die Entwicklung resistenter Krankheitskeime fördert.

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Quelle: JAMA
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Quelle: Spiegel online 2014








 

Allergie - ein rätselhaftes Phänomen
des modernen Lebens

- das Team des Info-Netzwerk Medizin 2000 erläutert die Situation
 
Allergietherapie,allergische Erkrankungen,Heuschnupfen

Mittelteil Allergie Allgemeintext

Allgemeine Informationen zu den Themenkomplexen Allergie und  Allergietherapie.

Schwerpunkt der Behandlung von Allergien ist derzeit die sublinguale Immuntherapie (SLIT)  mit Hilfe von Tabletten, die standardisierte Allergene  jener Gräserpollen enthalten, die in der Natur weit verbreitet und daher Ursachen einer Pollenallergie sind.

Seit Jahrzehnten werden Allergien – besonders häufig sind Gräser- und Baumpollen-Allergien– mit Hilfe der subkutan (unter die Haut) anzuwendenden spezifischen Immuntherapie (SIT, bzw. SCIT) behandelt.
Allergologen haben herausgefunden, dass etwa 80% aller Allergien durch in die Atemwege eingedrungene Gräser- und Baumpollen verursacht werden, die zur Entzündung der empfindlichen Schleimhäute führen.

Eine gute Wirkung der spezifischen Immuntherapie wurde nicht nur bei Pollenallergien beobachtet, sondern auch bei  Hundehaar- und Katzenhaarallergien. Im Fall der ebenfalls weit verbreiteten Insektengift-Allergie (meist Wespen- und Bienengiftallergien) erwies sich die spezifische subkutane Immuntherapie in der Vergangenheit oft als lebensrettend. 

Bei Risikopatienten haben sich stationär durchzuführende Schnell-Hyposensibilisierungen bewährt,  durch die das Risiko lebensbedrohlicher Schockzustände (Anaphylaxie) innerhalb kurzer Zeit minimiert werden kann. 
Doch bei der e
benfalls weit verbreiteten Hausstaubmilbenallergie versagen bis heute alle physikalischen und chemischen  Schutzmaßnahmen.
   Ohne eine spezifische Immuntherapie (SIT) geht bei der Allergie gegen die für die Allergie verantwortlichen Bestandteile des Hausstaubs (in erster Linie Kot der Hausstaubmilbe) also überhaupt nichts.

Eine spezifische Immuntherapie  SIT ist bei starken allergischen Beschwerden meist der einzige praktikable Behandlungsweg. Die oft empfohlene symptomatische Behandlung,  z.B. mit Antihistaminika,  ist nur bei leichten Verlaufsformen einer Allergie ausreichend wirksam. Außerdem haben viele dieser Arzneimittel störende Nebenwirkungen. Die Erfolge einer spezifischen Immuntherapie wurden in den vergangenen Jahrzehnten immer wieder mit Hilfe zahlreicher wissenschaftlicher Studien eindeutig bwiesen.

Auch die um Distanz zur Pharmaindustrie bemühte WHO (Weltgesundheitsorganisation)  beurteilt die spezifische Immuntherapie positiv, da sie als einzige verfügbare Behandlungsmöglichkeit direkt an den immunologischen Ursachen einer Allergie ansetzt und den weiteren natürlichen Verlauf der Krankheit positiv beeinflusst - also beispielsweise die Entwicklung eines allergischen Asthmas verhindert. 

Doch die übliche subkutan anzuwendende spezifische Immuntherapie (SCIT) hat leider auch einige gravierende Nachteile (u.a. großer Zeitaufwand von 3-5 Jahren), zu geringe Zahl ärztlicher Allergie-Experten  und schließlich das Risiko bedrohlicher Therapie-Zwischenfälle (Anaphylaktischer Schock). Aus diesen Gründen kommt nur ein kleiner Teil der für die Therapie in Frage kommenden  Allergiker (geschätzte 10%) tatsächlich in den Genuss dieser grundsätzlich sinnvollen und meist wirksamen Therapie.

Die Mehrzahl der Allergiker – darunter viele Patienten, die sich einfach nur vor den Allergie-Spritzen fürchten, oder die den erforderlichen Zeitaufwand scheuen – wurden bisher nur symptomatisch behandelt (beispielsweise mit den oft müde machenden Antihistaminika) und riskierten so, dass es im  weiteren Verlauf der Erkrankung  im Zuge eines sog. „Etagenwechsels“aus dem eher lästigen Heuschnupfen  ein bedrohliches allergisches Asthma entwickelt.  Nach Expertenmeinung droht dies in bis zu 30% der Fälle.

Insbesondere für die bisher nicht ausreichend therapierten Patienten  wurde die sog. "Grastablette" entwickelt, die die Allergene der wichtigsten pollenproduzierenden Gräser als genormte Extrakte enthält. Da diese Medikamente geschluckt werden  - also oral angewendet werden (sublinguale spezifische Immuntherapie= SLIT) - kann die Therapie nach der  Einstellung bei dem jeweils behandelnden Arzt von den Patienten in eigener Regie zu Hause durchgeführt werden.  
Eine sublinguale spezifische Immuntherapie (
SLIT) hat sich in ersten Studien als wirksam, gut verträglich und sicher erwiesen. Dies gilt für sowohl für die Anwendung bei Erwachsenen und Heranwachsenden,  als auch bei Kindern.   Doch die erhoffte Zeitersparnis stellt sich nicht ein.  Studien haben gezeigt, dass auch eine SLIT über 5 Jahre durchgeführt werden sollte.

Diese "Allergie-Tabletten" werden mittlerweile von mehreren Pharmaunternehmen angeboten,  bzw. entwickelt.
Besonders kleine Kinder und ängstliche erwachsene Patienten ziehen  diese Tabletten den bisher üblichen  „
Allergie-Spritzen“ vor. Experten rechnen damit, dass es schon bald auch für andere Allergien oral anzuwendende Medikamente geben wird.

Diese innovativen Medikamente werden dann die von vielen Allergikern als sehr lästig empfundenen Allergie-Spritzen
- zumindest teilweise - ersetzen.   Die derzeit vorliegenden Erkenntnisse zur Wirkung der spezifischen Immuntherapie  stammen in erster Linie aus wissenschaftlichen Studien, die von forschenden Pharmaunternehmen, also den Produzenten der Medikamente, durchgeführt wurden.

Diese forschenden Firmen haben sich auf die Behandlung von Allergien spezialisiert und konnten so im Lauf von Jahrzenten ein hohes Maß an Fachkompetenz ansammeln. Da bisher keine wissenschaftlichen Studien vorliegen, die die Wirkung unterschiedlicher oral anzuwendender Produkte miteinander vergleichen, kann die Frage der "optimalen" Allergietherapie derzeit nicht aufgrund wissenschaftlicher Beweise beantwortet werden. Es ist aber aufgrund allgemeiner Lebenserfahrunge sehr wahrscheinlich, dass alle Medikamente, die Allergene in ausreichender und genormter Menge enthalten, für eine effiziente orale  Allergiebehandlung geeignet sind.

Der Erfolg steht und fällt natürlich mit der Qualität der Allergen-Extrakte.  Der Patient selbst und auch sein behandelnder Arzt hat keine praktikable Möglichkeit, diese Qualität zu überprüfen. Sie sind darauf angewiesen, den spezialisierten Pharmaunternehmen zu vertrauen - also quasi die Katze im Sack zu kaufen. Die Wirkung der Therapie zeigt sich nämlich frühestens einige Jahre nach Therapiebeginn.

Dr. med. Jochen Kubitschek

 
   

 







        ÜBEREMPFINDLICHKEITSREAKTIONEN TYP 1  bis Typ 4
  • Bei der Typ 1-Allergie produziert der Körper bei früherem Kontakt mit dem als fremd eingestuften Stoff (Allergen) IgE-Antikörper, die sich an Abwehrzellen (Mastzellen) binden. Bei erneutem Kontakt mit dem Allergen schütten die Mastzellen Histamin aus und verursachen eine Immunreaktion. Beispiel: Die Antibiotika Cephalosporin und Penizillin oder bestimmte Narkosemittel.

  • Bei der Typ 2-Allergie bildet der Körper IgG oder IgM-Antikörper gegen Allergene auf der Oberfläche von Zellen, die dann an die Allergene binden. Das ist das Signal für das Immunsystem, die Zellen zu zerstören. Beispiel: Der Gerinnungshemmer Heparin oder das Parkinsonmedikament Methyldopa.

  • Die Typ 3-Allergie entsteht durch feste Verbindungen aus IgG-Antikörpern und einem Allergen. Diese Komplexe lagern sich in Blutgefäßen ab und es kommt zu Entzündungen von Gefäßen und innerer Organe. Beispiel: Die Antibiotika Minozyklin und Penizillin oder das Herzmedikament Chinidin.

  • Bei der Typ 4-Allergie setzen aktivierte Immunzellen (T-Lymphozyten) Botenstoffe frei. Die locken weitere Immunzellen an und es kommt zu einer Entzündung. Beispiel: Sulfonamid-Antibiotika, Penizillin, Cephalosporin, Abacavir

Quelle: Spiegel online 2014





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