EPIKUTANE SPEZIFISCHE IMMUNTHERAPIE EPIT
- ein Projekt des Info-Netzwerk Medizin 2000-
www.allergietherapie.de/epikutane-spezifische-immuntherapie  


Bildnachweis: Fotolia,   aktualisiert am: 21.07.17, Uhrzeit: 04.27


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Epikutane Immuntherapie (EPIT) bei Erdnuss-Allergie :

Innovative Therapie-Variante bei Erdnuss-Allergien

Bisher werden im Verlauf einer Hyposensibilisierung Allergen-Konzentrate entweder über die Mundschleimhaut (sublinguale spezifische Immuntherapie SLIT), oder per Injektion unter die Haut gespritzt, in den Körper des jeweiligen Allergikers eingenbracht. Doch es wird schon seit vielen Jahren auch über andere Therapie-Varianten nachgedacht.

 

Allergien gegen Erdnüsse sind häufig und führen gelegentlich zu lebensbedrohlichen Schockzuständen.  Oft sind kleine Kinder betroffen.  Aufgrund des hohen und schwer zu kalkulierenden Gefährdungspotentials schrecken viele Betroffene  vor der üblichen subkutan anzuwendenden Spezifischen Immuntherapie (SCIT) zurück.
Um dieses Problem der mangelhaften Akzeptanz zu lösen, hat nun eine Forschergruppe versucht, die für die Hyposensibilisierung benötigten Erdnuss-Allergene unter Verwendung von regelmäßig auszutauschenden Haut-Patches  (Peanut Epicutaneous Immunotherapy (EPIT)) zu behandeln.
Diese Pflaster werden auf der Haut des Unterarms des jeweiligen Patienten  fixiert.  Die auf den Patch aufgetragenen Erdnuss-Protein-Allergene diffundieren dann durch die Haut in die Blutbahn des Allergikers und regen im Körper den vom Immunsystem angeregten Prozess der amgestrebten Hyposensibilisierung gegen Erdnuss-Protein an.

Diese innovative, epikutane Anwendung der aus den Erdnüssen extrahierten Allergene eignet sich besonders gut für kleine Kinder und erwachsene Spritzen-Phobiker,  die bisher mit den herkömmlichen  Therapiemethoden kaum zu behandeln waren. An dieser an mehreren Therapie-Zentren durchgeführten, Placebo kontrollierten doppelblind konzipierten Mini-Studie nahmen 74 Patienten im Alter von 4-25 Jahren teil. Die Studienergebnisse wurden im angesehennen Fachblatt Journal of Allergy and Clinical Immunology veröffentlicht.
Die an der Studie beteiligten Erdnuss-Allergiker erhielten entweder ein Scheinmedikament,  oder eines von zwei unterschiedlich stark mit Erdnuss-Eiweiß präparierte Patch-Systeme.  Nach 52 Wochen zeigte sich, dass die Therapie - wie erhofft - besonders gut bei kleinen Kindern gewirkt hatte.  Viele von ihnen vertrugen am Ende der Studie deutlich mehr Erdnuss-Protein, als zu Beginn der Untersuchung.  Die neuartige Therapie war  erfolgreich und führte bei den Studienteilnehmern zu zahlreichen erwünschten Modifikationen des körpereigenen Immunsystems.  Beispielsweise zu einer Zunahme der erdnuss-spezifischen IgG4-Konzentration und des  Verhältnisses von IgG4- zu IgE-Werten.  Ebenso zu einem Rückgang der eine Allergie fördernden TH2-Zytokine.
Die an der Studie beteiligten Forscher wiesen ausdrücklich darauf hin, dass diese vielversprechenden Ergebnisse in Zukunft in weiteren,  und dann größeren Studien überprüft werden sollten.Allergietherapie,allergische Erkrankungen,Heuschnupfen

Epikutane Allergietherapie (EPIT)  bei Allergien gegen
Baum- oder Gräser-Pollen

Die überwiegende Mehrzahl aller Allergiker wird in Deutschland nicht optimal mit einer spezifischen Immuntherapie  behandelt. Alle derzeit zur Verfügung stehenden Therapie-Varianten haben Vor- und Nachteile. Jetzt zeigte sich, dass auch die neu entwickelten Allergenpflaster (epikutane Spezifische Immuntherapie  zumindest für die Behandlung von Graspollen-Allergien geeignet sind.

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Allergie - ein rätselhaftes Phänomen
des modernen Lebens

- das Team des Info-Netzwerk Medizin 2000 erläutert die Situation
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Mittelteil Allergie Allgemeintext

Allgemeine Informationen zu den Themenkomplexen Allergie und  Allergietherapie.

Schwerpunkt der Behandlung von Allergien ist derzeit die sublinguale Immuntherapie (SLIT)  mit Hilfe von Tabletten, die standardisierte Allergene  jener Gräserpollen enthalten, die in der Natur weit verbreitet und daher Ursachen einer Pollenallergie sind.

Seit Jahrzehnten werden Allergien – besonders häufig sind Gräser- und Baumpollen-Allergien– mit Hilfe der subkutan (unter die Haut) anzuwendenden spezifischen Immuntherapie (SIT, bzw. SCIT) behandelt.
Allergologen haben herausgefunden, dass etwa 80% aller Allergien durch in die Atemwege eingedrungene Gräser- und Baumpollen verursacht werden, die zur Entzündung der empfindlichen Schleimhäute führen.

Eine gute Wirkung der spezifischen Immuntherapie wurde nicht nur bei Pollenallergien beobachtet, sondern auch bei  Hundehaar- und Katzenhaarallergien. Im Fall der ebenfalls weit verbreiteten Insektengift-Allergie (meist Wespen- und Bienengiftallergien) erwies sich die spezifische subkutane Immuntherapie in der Vergangenheit oft als lebensrettend. 

Bei Risikopatienten haben sich stationär durchzuführende Schnell-Hyposensibilisierungen bewährt,  durch die das Risiko lebensbedrohlicher Schockzustände (Anaphylaxie) innerhalb kurzer Zeit minimiert werden kann. 
Doch bei der e
benfalls weit verbreiteten Hausstaubmilbenallergie versagen bis heute alle physikalischen und chemischen  Schutzmaßnahmen.
   Ohne eine spezifische Immuntherapie (SIT) geht bei der Allergie gegen die für die Allergie verantwortlichen Bestandteile des Hausstaubs (in erster Linie Kot der Hausstaubmilbe) also überhaupt nichts.

Eine spezifische Immuntherapie  SIT ist bei starken allergischen Beschwerden meist der einzige praktikable Behandlungsweg. Die oft empfohlene symptomatische Behandlung,  z.B. mit Antihistaminika,  ist nur bei leichten Verlaufsformen einer Allergie ausreichend wirksam. Außerdem haben viele dieser Arzneimittel störende Nebenwirkungen. Die Erfolge einer spezifischen Immuntherapie wurden in den vergangenen Jahrzehnten immer wieder mit Hilfe zahlreicher wissenschaftlicher Studien eindeutig bwiesen.

Auch die um Distanz zur Pharmaindustrie bemühte WHO (Weltgesundheitsorganisation)  beurteilt die spezifische Immuntherapie positiv, da sie als einzige verfügbare Behandlungsmöglichkeit direkt an den immunologischen Ursachen einer Allergie ansetzt und den weiteren natürlichen Verlauf der Krankheit positiv beeinflusst - also beispielsweise die Entwicklung eines allergischen Asthmas verhindert. 

Doch die übliche subkutan anzuwendende spezifische Immuntherapie (SCIT) hat leider auch einige gravierende Nachteile (u.a. großer Zeitaufwand von 3-5 Jahren), zu geringe Zahl ärztlicher Allergie-Experten  und schließlich das Risiko bedrohlicher Therapie-Zwischenfälle (Anaphylaktischer Schock). Aus diesen Gründen kommt nur ein kleiner Teil der für die Therapie in Frage kommenden  Allergiker (geschätzte 10%) tatsächlich in den Genuss dieser grundsätzlich sinnvollen und meist wirksamen Therapie.

Die Mehrzahl der Allergiker – darunter viele Patienten, die sich einfach nur vor den Allergie-Spritzen fürchten, oder die den erforderlichen Zeitaufwand scheuen – wurden bisher nur symptomatisch behandelt (beispielsweise mit den oft müde machenden Antihistaminika) und riskierten so, dass es im  weiteren Verlauf der Erkrankung  im Zuge eines sog. „Etagenwechsels“aus dem eher lästigen Heuschnupfen  ein bedrohliches allergisches Asthma entwickelt.  Nach Expertenmeinung droht dies in bis zu 30% der Fälle.

Insbesondere für die bisher nicht ausreichend therapierten Patienten  wurde die sog. "Grastablette" entwickelt, die die Allergene der wichtigsten pollenproduzierenden Gräser als genormte Extrakte enthält. Da diese Medikamente geschluckt werden  - also oral angewendet werden (sublinguale spezifische Immuntherapie= SLIT) - kann die Therapie nach der  Einstellung bei dem jeweils behandelnden Arzt von den Patienten in eigener Regie zu Hause durchgeführt werden.  
Eine sublinguale spezifische Immuntherapie (
SLIT) hat sich in ersten Studien als wirksam, gut verträglich und sicher erwiesen. Dies gilt für sowohl für die Anwendung bei Erwachsenen und Heranwachsenden,  als auch bei Kindern.   Doch die erhoffte Zeitersparnis stellt sich nicht ein.  Studien haben gezeigt, dass auch eine SLIT über 5 Jahre durchgeführt werden sollte.

Diese "Allergie-Tabletten" werden mittlerweile von mehreren Pharmaunternehmen angeboten,  bzw. entwickelt.
Besonders kleine Kinder und ängstliche erwachsene Patienten ziehen  diese Tabletten den bisher üblichen  „
Allergie-Spritzen“ vor. Experten rechnen damit, dass es schon bald auch für andere Allergien oral anzuwendende Medikamente geben wird.

Diese innovativen Medikamente werden dann die von vielen Allergikern als sehr lästig empfundenen Allergie-Spritzen
- zumindest teilweise - ersetzen.   Die derzeit vorliegenden Erkenntnisse zur Wirkung der spezifischen Immuntherapie  stammen in erster Linie aus wissenschaftlichen Studien, die von forschenden Pharmaunternehmen, also den Produzenten der Medikamente, durchgeführt wurden.

Diese forschenden Firmen haben sich auf die Behandlung von Allergien spezialisiert und konnten so im Lauf von Jahrzenten ein hohes Maß an Fachkompetenz ansammeln. Da bisher keine wissenschaftlichen Studien vorliegen, die die Wirkung unterschiedlicher oral anzuwendender Produkte miteinander vergleichen, kann die Frage der "optimalen" Allergietherapie derzeit nicht aufgrund wissenschaftlicher Beweise beantwortet werden. Es ist aber aufgrund allgemeiner Lebenserfahrunge sehr wahrscheinlich, dass alle Medikamente, die Allergene in ausreichender und genormter Menge enthalten, für eine effiziente orale  Allergiebehandlung geeignet sind.

Der Erfolg steht und fällt natürlich mit der Qualität der Allergen-Extrakte.  Der Patient selbst und auch sein behandelnder Arzt hat keine praktikable Möglichkeit, diese Qualität zu überprüfen. Sie sind darauf angewiesen, den spezialisierten Pharmaunternehmen zu vertrauen - also quasi die Katze im Sack zu kaufen. Die Wirkung der Therapie zeigt sich nämlich frühestens einige Jahre nach Therapiebeginn.

Dr. med. Jochen Kubitschek

 
   

 














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