EPIKUTANE SPEZIFISCHE IMMUNTHERAPIE EPIT
Allergie-Vorbeugung, -Diagnose und -Therapie

- ein Projekt des Info-Netzwerk Medizin 2000-

www.allergietherapie.de/epikutane-spezifische-immuntherapie  


Bildnachweis: Fotolia,   aktualisiert am: 21.02.17, Uhrzeit: 10.49


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Epikutane Immuntherapie (EPIT) bei Erdnuss-Allergie :

Innovative Therapie-Variante bei Erdnuss-Allergien

Bisher werden im Verlauf einer Hyposensibilisierung Allergen-Konzentrate entweder über die Mundschleimhaut (sublinguale spezifische Immuntherapie SLIT), oder per Injektion unter die Haut gespritzt, in den Körper des jeweiligen Allergikers eingenbracht. Doch es wird schon seit vielen Jahren auch über andere Therapie-Varianten nachgedacht.

 

Allergien gegen Erdnüsse sind häufig und führen gelegentlich zu lebensbedrohlichen Schockzuständen.  Oft sind kleine Kinder betroffen.  Aufgrund des hohen und schwer zu kalkulierenden Gefährdungspotentials schrecken viele Betroffene  vor der üblichen subkutan anzuwendenden Spezifischen Immuntherapie (SCIT) zurück.
Um dieses Problem der mangelhaften Akzeptanz zu lösen, hat nun eine Forschergruppe versucht, die für die Hyposensibilisierung benötigten Erdnuss-Allergene unter Verwendung von regelmäßig auszutauschenden Haut-Patches  (Peanut Epicutaneous Immunotherapy (EPIT)) zu behandeln.
Diese Pflaster werden auf der Haut des Unterarms des jeweiligen Patienten  fixiert.  Die auf den Patch aufgetragenen Erdnuss-Protein-Allergene diffundieren dann durch die Haut in die Blutbahn des Allergikers und regen im Körper den vom Immunsystem angeregten Prozess der amgestrebten Hyposensibilisierung gegen Erdnuss-Protein an.

Diese innovative, epikutane Anwendung der aus den Erdnüssen extrahierten Allergene eignet sich besonders gut für kleine Kinder und erwachsene Spritzen-Phobiker,  die bisher mit den herkömmlichen  Therapiemethoden kaum zu behandeln waren. An dieser an mehreren Therapie-Zentren durchgeführten, Placebo kontrollierten doppelblind konzipierten Mini-Studie nahmen 74 Patienten im Alter von 4-25 Jahren teil. Die Studienergebnisse wurden im angesehennen Fachblatt Journal of Allergy and Clinical Immunology veröffentlicht.
Die an der Studie beteiligten Erdnuss-Allergiker erhielten entweder ein Scheinmedikament,  oder eines von zwei unterschiedlich stark mit Erdnuss-Eiweiß präparierte Patch-Systeme.  Nach 52 Wochen zeigte sich, dass die Therapie - wie erhofft - besonders gut bei kleinen Kindern gewirkt hatte.  Viele von ihnen vertrugen am Ende der Studie deutlich mehr Erdnuss-Protein, als zu Beginn der Untersuchung.  Die neuartige Therapie war  erfolgreich und führte bei den Studienteilnehmern zu zahlreichen erwünschten Modifikationen des körpereigenen Immunsystems.  Beispielsweise zu einer Zunahme der erdnuss-spezifischen IgG4-Konzentration und des  Verhältnisses von IgG4- zu IgE-Werten.  Ebenso zu einem Rückgang der eine Allergie fördernden TH2-Zytokine.
Die an der Studie beteiligten Forscher wiesen ausdrücklich darauf hin, dass diese vielversprechenden Ergebnisse in Zukunft in weiteren,  und dann größeren Studien überprüft werden sollten.Allergietherapie,allergische Erkrankungen,Heuschnupfen

Epikutane Allergietherapie (EPIT)  bei Allergien gegen
Baum- oder Gräser-Pollen

Die überwiegende Mehrzahl aller Allergiker wird in Deutschland nicht optimal mit einer spezifischen Immuntherapie  behandelt. Alle derzeit zur Verfügung stehenden Therapie-Varianten haben Vor- und Nachteile. Jetzt zeigte sich, dass auch die neu entwickelten Allergenpflaster (epikutane Spezifische Immuntherapie  zumindest für die Behandlung von Graspollen-Allergien geeignet sind.

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Basis-Informationen zum Themenkomplex
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Allergien werden immer häufiger beobachtet, daher interessieren sich medizinische Laien und Ärztinnen und Ärzte in zunehmendem Maße für diese gelegentlich schwierig zu erkennenden und zu behandelnden Störungen des körpereigenen Immunsystems.
Schwerpunkt der Behandlung von Allergien ist derzeit die sublinguale Immuntherapie (SLIT)  mit Hilfe von Tabletten, die beispielsweise  standardisierte Allergene  von Gräsern enthalten, die in der Natur weit verbreitet sind. Ein Hersteller prägte im Zusammenhang mit den von ihm entwickelten Medikamenten den Begriff "Gräser-Impftablette".

Für die nahe Zukunft kündigt sich mit der sog. "Molekularen Allergiediagnostik" eine Revolutionierung der Allergie-Diagnostik und -Therapie an. Seit Jahrzehnten werden Allergien – besonders häufig Gräser- und Baumpollen-Allergien– mit Hilfe der subkutan (unter die Haut) anzuwendenden spezifischen Immuntherapie (SIT, bzw. SCIT) behandelt. Allergologen haben herausgefunden, dass etwa 80% aller Allergien durch in die Atemwege eingedrungene Gräser- und Baumpollen verursacht werden. Diese Pollen lösen häufig eine Entzündungen der Atemwege und eine überschießende Reaktion des körpereigenen Immunsystems aus.  Diese zu starke Reaktion ist für die Symptomr der Allergie verantwortlich zu machen.

Der Grad der Entzündung - und somit der Verlauf der entzündlichen Erkrankung der Atemwege - lässt sich in jeder Arztpraxis,ohne großen Aufwand,  mit Hilfe des  FeNO-Atemtests bestimmen. Diese chemische Analyse der Ausatemluft erleichtert beispielsweise beim allergischen Asthma das gelegentlich schwierige Management der Erkrankung und hilft bei der Einsparung überflüssiger Medikamente.
 
Eine gute Wirkung der spezifischen Immuntherapie (SIT oder SCIT) wurde nicht nur bei Pollenallergien (Graspollenallergie und Baumpollenallergie) beobachtet, sondern in jüngster Zeit auch bei Tierhaarallergie - insbesondere Hunder- und Katzenhaarallergien.

Im Fall der ebenfalls weit verbreiteten Insektengift-Allergie (u.a. Wespen- und Bienengiftallergien) konnte sich die spezifische Immuntherapie in der Vergangenheit sogar als lebensrettende Notfall-Therapie etablieren.  Bei Patienten mit beruflich bedingtem erhöhten Risiko für lebensbedrohliche Schockzustände nach Insektenstich werden stationär durchzuführende Schnell-Hyposensibilisierungen empfohlen.  Mit Hilfe dieser Prophylaxe-Maßnahmen kann eine schnelle Verminderung des Risikos lebensbedrohlicher Schockzustände erreicht werden. 

Doch leider versagen bei der ebenfalls weit verbreiteten Hausstaubmilbenallergie alle empfohlenen physikalischen und chemischen  Schutzmaßnahmen.   

Ohne eine spezifische Immuntherapie geht bei der Allergie gegen die Bestandteile von Hausstaub also überhaupt nichts. Eine spezifische Immuntherapie SIT ist bei starken allergischen Beschwerden meist der einzige praktikable Behandlungsweg. Die oft empfohlene symptomatische Behandlung, z.B. mit Antihistaminika, ist nur bei leichten Verlaufsformen einer Allergie ausreichend wirksam und daher ärztlich zu verantworten. Die Erfolge einer spezifischen Immuntherapie wurden in den vergangenen Jahrzehnten in zahlreichen wissenschaftlichen Studien immer wieder eindeutig belegt. Auch die WHO (Weltgesundheitsorganisation)  beurteilt die spezifische Immuntherapie positiv, da sie als einzige verfügbare Behandlungsmöglichkeit direkt an den immunologischen Ursachen der Allergie ansetzt und so in positiver Weise in den weiteren natürlichen Verlauf der Krankheit eingreift. 

Doch die subkutan anzuwendende spezifische Immuntherapie (SCIT) hat leider auch einige gravierende Nachteile (u.a. großer erforderlicher Zeitaufwand, zu geringe Zahl ärztlicher Allergie-Experten  und schließlich das Risiko bedrohlicher Therapie-Zwischenfälle),  so dass nur ein kleiner Teil der für die Therapie in Frage kommenden  Allergiker (geschätzt nur 10%) tatsächlich in den Genuss dieser grundsätzlich sinnvollen und wirksamen Therapie kommt.

Die Mehrzahl der Allergiker – darunter viele Patienten, die sich einfach nur vor Spritzen fürchten, oder erforderlichen Zeitaufwand scheuen – wurden bisher nur symptomatisch behandelt (beispielsweise mit den oft müde machenden Antihistaminika). Sie  riskierten so, dass sich im  weiteren Verlauf der Allergie - oft erst nach vielen Jahren - im Zuge eines sog. „Etagenwechsels“  - aus dem eher lästigen Heuschnupfen ein bedrohliches allergisches Asthma entwickelt. Nach Meinung von Allergie-Experten droht dies bis zu 30% der nicht optimal mit einer Immuntherapie behandelten Allergiker).  Insbesondere für diese bisher nicht, oder nicht ausreichend therapierten Patienten  wurde die sog. "Grastablette" entwickelt, die die Allergene der wichtigsten pollenproduzierenden Gräser enthält. Da diese Aöllergie-Tabletten geschluckt werden  - also oral angewendet werden (sublinguale spezifische Immuntherapie= SLIT) - kann die Therapie, nach der  Einstellung durch den jeweils behandelnden Allergologen,  von den Patienten in eigener Regie zu Hause  durchgeführt werden.   Eine sublinguale spezifische Immuntherapie (SLIT) speziell mit „Grastabletten“  hat sich in ersten Studien als wirksam, gut verträglich und sicher erwiesen.

Dies gilt sowohl für die Anwendung bei Erwachsenen,  als auch bei Heranwachsenden und selbst bei Kindern.  Diese "Allergie-Tabletten" werden mittlerweile von mehreren Pharmaunternehmen angeboten,  bzw. entwickelt.  Kopf-an-Kopf-Vergleichsuntersuchungen liegen bisher aber nicht vor. Besonders kleine Kinder und ängstliche erwachsene Patienten ziehen  diese Tabletten natürlich den bisher üblichen  „Allergie-Spritzen“ vor.
Experten rechnen damit, dass es schon bald auch für andere weit verbreitete allergisch bedingte Überreaktionen des Immunsystems oral anzuwendende Tabletten bzw.  Tropfen geben wird, die die jeweiligen Haupt-Allergene in standardisierten Mengen enthalten werden.

Diese innovativen Medikamente werden dann die von vielen Allergikern als sehr lästig empfundenen Allergie-Spritzen -zumindest teilweise -überflüssig machen.   Die derzeit vorliegenden Erkenntnisse zur Wirkung der spezifischen Immuntherapie (SIT)  stammen in erster Linie aus wissenschaftlichen Studien, die von forschenden Pharmaunternehmen initiiert wurden.

Diese Firmen haben sich auf die Behandlung von Allergien spezialisiert und konnten so im Lauf von Jahrzenten ein hohes Maß an Fachkompetenz ansammeln. Da bisher keine wissenschaftlichen Studien vorliegen, die die Wirkung unterschiedlicher oral anzuwendender Produkte miteinander vergleichen, kann die Frage der "optimalen" Allergietherapie derzeit nicht aufgrund eindeutiger  wissenschaftlicher Beweise beantwortet werden. Es ist aber  aufgrund allgemeiner Erfahrungen sehr wahrscheinlich, dass alle Medikamente, die die wichtigsten Allergene in ausreichender und genormter Menge enthalten, für eine effiziente orale  Allergiebehandlung geeignet sind.

Jüngste wissenschaftliche Untersuchungen legen aber den Verdacht nahe, dass die sublinguale spezifische Immuntherapie SLIT weniger gut wirkt als die herkömmliche, subkutan anzuwendende spezifische Immuntherapie  SCIT.  Es wurde leider beobachtet, dass es in seltenen Fällen auch bei der als harmlos angesehenen SLIT zu gefährlichen Nebenwirkungen kommen kann. 

Vermutlich ist es daher derzeit doch weiterhin sinnvoll, sich mit den über Jahrzehnten bewährten Allergiespritzen behandeln zu lassen, als mit fliegenden Fahnen zu  den neuen Allergietabletten zu wechseln.  

Auf großes Interesse stößt auch die Epikutane Spezifische Immuntherapie (EPIT), bei der die Allergene auf Pflaster aufgetragen werden, die auf der Haut der Unterarme fixiert werden. Die allergen wirkenden Proteine sollen so durch die Schichten der Haut in den Organismus diffundieren, um dort den Prozess der Hyposensibilisierung anzustoßen.





 




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